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16.02.2012


Interview mit Ulrich Bloß von Call.in: "Uns gibt es gar nicht."

Der gelernte Optiker Ulrich Bloß hat sich selbstständig gemacht und ist heute auf einem völlig anderen Gebiet tätig: In seiner Münchberger Agentur für Kommunikation und Vertrieb beschäftigt er mittlerweile 15 Leute.


Redaktion: Herr Bloß, Sie sind gelernter Optiker und jetzt Chef einer Agentur für Information, Kommunikation und Vertrieb. Wie kam das?


Ulrich Bloß: Ich wollte studieren, vorher aber eine Lehre machen, die etwas mit Technik und Menschen zu tun hat. Ich wurde Optiker. Der Beruf hat mir viel Spaß gemacht. Aber ich habe immer mit dem Gedanken gespielt, mich zu verändern, weil ich mich nicht gerne nach Konventionen richte. Ich möchte nicht immer nach eingefahrenen Mustern arbeiten. Ich möchte Spaß bei der Arbeit haben und meinen Kopf gebrauchen müssen. Das war bei meinem letzten Arbeitgeber nicht möglich.


Redaktion: Also haben Sie sich selbstständig gemacht.


Bloß: Das war nicht geplant, aber ein Mittel zum Zweck, um frei und unkonventionell arbeiten zu können.


Redaktion: Wie kamen Sie auf darauf, eine Agentur zu gründen?


Bloß: Das hat sich so ergeben. Ich habe einen Freund in die Selbstständigkeit als Heilpraktiker begleitet. Da wurde die Idee geboren, auch anderen meine Hilfe anzubieten. Man muss ja das Rad nicht neu erfinden, sondern nur besser sein als andere. Der Grundgedanke war, für Heilberufe aller Art eine virtuelle Sprechstundenhilfe zu sein. Also habe ich Kurse besucht, die mir den Schritt in die Selbstständigkeit zeigten. Ich wollte gut vorbereitet sein.


Redaktion: Das hat anscheinend geholfen?


Bloß: So wichtig wie die Schulung war es, die richtigen Leute kennenzulernen und Kontakte zu nutzen. Man muss sich bewegen, wenn man etwas erreichen will.


Redaktion: Wie und wann ging es dann los?


Bloß: Mitte des Jahres 2006. Angefangen habe ich als Ein-Mann-Betrieb, jetzt sind wir 15 Leute. Darunter ein Lehrling, der zum Kaufmann im Dialog-Marketing ausgebildet wird.


Redaktion: Was bieten Sie an?


Bloß: Wir sind ein kompletter Work-Office-Berater. Wir interessieren und informieren. Wir sind die Schnittstelle zwischen unseren Kunden und deren Kunden, das heißt, unser Kunde kommuniziert über uns mit seinen Kunden. Wir arbeiten nicht nur virtuell wie in einem Call-Center, sondern starten Aktionen für unsere Kunden, fertigen Flyer und Serienbriefe an, die wir per Fax verschicken oder kuvertieren. Wir machen Bestellannahme und sind Produktberater. Wir kümmern uns für unsere Kunden um Sachen, die nicht zu deren Kompetenzaufgaben gehören. Wir gehen für unsere Kunden auf Messen, um neue Produkte zu erkunden. Eigentlich gibt es uns gar nicht, weil wir im Namen unserer Kunden auftreten.


Redaktion: Ein Rollenspiel?


Bloß: Ja, Schauspielen ist nichts anderes. Auch bei uns wechseln die Rollen. Wir sind gut, wenn der Kunde nicht merkt, dass wir nicht direkt in der Firma beschäftigt sind. Der Kunde ist übrigens bei uns nicht König. Wir wollen mitdenken. Wir versetzen uns in die Lage von Kunden und ihren Firmenstandorten. Wir überlegen, was wir ihm Gutes tun können. Wir pflegen einen ehrlichen Umgang und sagen auch unsere Meinung. Unser Motto ist: "Kompetent, individuell, persönlich."


Redaktion: Wer sind Ihre Kunden?


Bloß: Die sind weltweit zu finden und kommen vorwiegend aus den Bereichen Marketing, Medizin-Produkte und Medizintechnik, aber auch aus den Bereichen EDV-Technik und Maschinenbau. Die Regionalität hat sich bei uns ziemlich spät entwickelt. Inzwischen haben wir auch Kunden aus der Region.


Redaktion: Ihrem Personal wird ganz schön was abverlangt. Sie müssen auf verschiedenen Hochzeiten tanzen?


Bloß: Es braucht in der Tat viel Fachwissen. Ich habe gut geschultes, engagiertes Personal. Jeder von uns hat bestimmte Kenntnisse, die in die Arbeit einfließen. Ich habe Kollegen, die mitdenken und flexibel sind. Wir machen gerne alles möglich, und ein jeder macht das, was er kann.


Redaktion: Wie kommen Sie zu Kunden, nachdem es Sie eigentlich gar nicht gibt? Bloß: Wir leben von Empfehlungen. Wir bewegen uns im Premium-Segment: Je anspruchsvoller die an uns gestellten Ansprüche sind, desto reizvoller sind die Aufgaben. Für mich war es schon immer faszinierend, sich mit anderen Berufen und komplexen Themen auseinanderzusetzen.

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